ÖVP-Bildungssprecher Neugebauer: Mehr Rechte für die Schulgemeinschaft und Ethik als Pflichtfach

12.08.2008 | "Kurier"

Der Parteichef will es; die ÖVP-Landesobleute wollen es; aber was denkt eigentlich Fritz Neugebauer, Bildungssprecher der ÖVP, über das kostenlose und verpflichtende Kindergartenjahr?

"Es war klug, dass Parteichef Molterer den Vorstoß getan hat. Die ÖVP muss im Wahlkampf auf , Frühkind-Pädagogik und Sprachförderung setzen: Wir müssen die Begeisterung wecken, hier Geld zu investieren - und zwar langfristig", sagt Neugebauer zum KURIER.

Für Neugebauer ist das "Modell Niederösterreich", wo vormittags ein kostenloses pädagogisches Angebot umgesetzt wurde, nachahmenswert: "Das gehört flächendeckend umgesetzt."

Abgesehen vom verpflichtenden Kindergartenjahr fordert der Bildungssprecher vor dem Intensiv-Wahlkampf mehr Kompetenzen für die Schulgemeinschaftsausschüsse (Schüler-, Eltern-, Lehrervertreter): "Die Schulen sollten im SGA autonom entscheiden dürfen, wie lange die Unterrichtseinheiten dauern. Außerdem sollte es diese Einrichtungen nicht nur an den Schulen, sondern auch auf Landes- und Bundesebene geben."

Informatik

Neugebauer will darüber diskutieren, ob der Informatik- und Computer-Unterricht nicht schon im Volksschulalter sinnvoll wäre: "Für Kinder ist der Umgang mit dem Computer oft selbstverständlich. Der professionelle Umgang mit dem PC könnte wesentlich früher in die Ausbildung integriert werden."

Ein schärferes Vorgehen wünscht er sich bei der virulenter werdenden Frage der Gewalt an den Schulen: "Sprechtage und Sprechstunden werden oft nur von Eltern besucht, deren Kinder ohnehin gute Leistungen bringen. Wir brauchen besserer Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus - und neue Lösungsmodelle, wie wir an die Familien herankommen, in denen es offenbar Schwierigkeiten gibt."

Besonderes Augenmerk will Neugebauer deshalb der Frage des Religions- und Ethik-Unterrichts widmen: "Aufgrund der Lehrpläne wissen wir: 60 Prozent des Religionsunterrichts bestehen aus Ethik. Schülern, die sich vom Religionsunterricht abmelden, fehlt dieser Teil einfach."

Neugebauer plädiert daher erneut für einen verpflichtenden Ethik-Unterricht für jene, die an keinem Religionsunterricht teilnehmen: "Die Zeit ist reif dafür. Allerdings scheint hier vor allem die SPÖ Probleme mit ihren Vorfeld-Organisationen zu haben. Die wollen ja am liebsten gar keinen Religionsunterricht."