Staatsdiener zu sein lohnt sich

21.05.2008 | "Der Standard"

Von Günther Oswald

Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer (VP) gehört zu den lautesten Kritikern der Gesundheitsreform. Durch die Umwandlung des Hauptverbandes in eine starke Holding mit Durchgriffsrecht auf die einzelnen Kassen drohe eine zu starke Zentralisierung und eine Schwächung der Arbeitnehmerseite, heißt es.

Im Hintergrund dürfte freilich auch die Angst vor einem schlechteren Leistungsangebot mitschwingen. Im Vergleich zu den Gebietskrankenkassen (GKK) bietet die Beamtenversicherung (BVA) ihren Mitgliedern nämlich oft bessere Leistungen.

Das Krankengeld, das rund 50 Prozent des Gehalts beträgt, wird von den meisten GKK nur 52 Wochen lang bezahlt. Die BVA bezahlt es für die Vertragsbediensteten 78 Wochen lang. Pragmatisierte Beamte bekommen sogar das volle Gehalt ein Jahr bezahlt.

Am oberen Limit ist die BVA auch bei den Zuschüssen zu Brillen und Kontaktlinsen. Technisch heißt das, sie bezahlt das 8-fache der Höchstbeitragsgrundlage (derzeit 3.930 Euro). Die meisten Kassen zahlen nur das 3-fache, nur Niederösterreich und Salzburg sind gleich spendabel wie die Beamtenversicherung.

Vorteilhaft ist das Beamtentum auch, wenn man Zahn- oder Kieferprobleme hat. Versicherte der GKK müssen 50 Prozent einer Kieferregulierung aus der eigenen Tasche zahlen, Beamten nur 20 Prozent. Bei Kunststoffprothesen müssen GKK-Versicherte je nach Bundesland zwischen 25 und 50 Prozent selbst zuschießen, bei Beamten beträgt der Selbstbehalt auch hier 20 Prozent. Und schließlich haben Beamte alle zwei Jahre einen Rechtsanspruch auf Genehmigung einer Kur. Bei Arbeitern und Angestellten gibt es diesen Rechtsanspruch nicht, die GKK genehmigen in der Praxis kaum Kuren. (…)