Fritz, der Bremser, gibt Gas

29.11.2007 | "News"

"News"-Portrait von Fritz Neugebauer.

Von Hubert Wachter

Teinfaltstraße 7, Wien-Innere Stadt. Sonntag, 19 Uhr. Das Büro der Beamten-Gewerkschafter. Fritz Neugebauer stapelt die Akten. Zufrieden. Satte Pensionserhöhungen erledigt. Gesamtschule gestoppt. Und jetzt vier Prozent mehr Gehalt für die Beamten. Die Republik bebt. Bundeskanzler Gusenbauer, selbst der parteieigene Vizekanzler Molterer und Beamten-Ministerin Bures sowieso dröhnen: "Völlig überzogen." Neugebauer lässt das demonstrativ kalt: "Der Molterer muss als Finanzminister ja so reden, was soll er denn sonst sagn?" Und amüsiert sich sogar einigermaßen: "Wissen S', da und dort heißt's sogar: Ja, dürfen s' dös überhaupt? Ja, wir dürfen! Denn zu sagen: Ihr seids Beamte, die räumen wir jetzt ab, das gibt's net, das findet nicht statt."

Betonkopf & Apparatschik. Neugebauer, der schwarze Bulle, ist ein Vielarbeiter. Auch sonntags. Nein, Beschimpfungen, die täten ihm nicht mehr weh. Auch nicht, dass er selbst in einer bürgerlichen Zeitung unlängst als "älterer Onkel, der im TV immer wie ein gemütskranker Karpfen dreinschaut", bezeichnet wurde. Dagegen seien die Etiketten "Apparatschik" und "Betonkopf" fast schon höflich, aber: "Wissen S', wer in der Öffentlichkeit steht, muss so was halt aushalten." Im Übrigen seien viele Angriffe auf ihn auch lanciert, vom politischen Gegner sowieso, "aber auch aus der eigenen politischen Verwandtschaft. Aber da stehe ich über den Dingen."

Stammtisch beim Holunderwirt. 1969 stieg der einstige Pflichtschullehrer (Deutsch, Geschichte, Sozial- und Wirtschaftskunde) in die Politik ein. Durch Zufall. Sein Bruder Gerhard, damals Rechtsschutzbeauftragter der Beamtengewerkschafter, vermittelte ihm einen "Handlanger-Job" in der Teinfaltstraße: Zettel zusammenlegen. So wurde Neugebauer zum Pflichtschul-Personalvertreter. Und jetzt, 38 Jahre später, ÖAAB-Chef, Nationalrat, Beamtenchef. Sein Credo: "Wichtig ist, dass politische Arbeit nicht allein vom Schreibtisch passiert. Alles wirkliche Leben ist Begegnung. Die Hoheit über die Stammtische. Mein Stammbeisl, das Gasthaus Holunderstrauch in der Schreyvogelgasse, dort sitzt alles. Vom Uni-Professor bis zum Postler. Eine Stund' da rein, da weißt, was los ist in der Republik." (…)

Seine Warnung an SP-Beamten-Ministerin Doris Bures: "Geeignete Maßnahmen haben wir im Auge, wenn wir von ihr unter dem Wert bewertet werden, weil selbst die sozialistischen Gewerkschafter sind von ihren Aussagen eher weniger erfreut." Neugebauer fühlt sich stark, nicht zuletzt durch Wirtschaftswissenschaftler, die ihm bestätigt hätten, dass die ohnehin schon niedrige Lohnquote nicht noch weiter sinken dürfe: "Daher ist es wichtig, dass der ÖGB jetzt zulangt." Und das müsse auch die ÖVP in der Regierung akzeptieren.

Zuckerbrot & Peitsche. Die hat Neugebauer für "seine" ÖVP jederzeit parat. Nicht wirklich gefiel ihm zuletzt die Debatte in der Führung. Schüssel gegen Sepp Pröll und umgekehrt. "Dass der Willi Molterer unlängst klargestellt hat, dass er unsere Nummer 1 und der Kanzlerkandidat ist, war sehr g'scheit. Denn der Willi hat einen umfassenden Blick und eine starke soziale Ader. Wir haben ihn in Salzburg gewählt, unter starker Mithilfe meines ÖAAB, das passt schon." Weswegen es auch keine Spur von Obmanndebatte gäbe, "und verbale Konflikte gehören in einer so heterogenen Partei wie der unseren offenbar ganz einfach dazu". 2010 der Schlusspunkt? Zwar habe ihm sein Arzt erst kürzlich gesagt, dass er trotz seiner 63 Jahre "ein Innenleben wie ein 40-Jähriger" habe, dennoch sieht Fritz Neugebauer das Ende seiner politischen Fahnenstange: "Ich gehe davon aus, dass mir 2010 mein Abgeordnetenmandat nicht mehr zur Verfügung steht. Aber der ÖAAB-Chef braucht den Sitz im Nationalrat, denn dort spielt die Musik. Daher ist für diesen Termin manches ordentlich vorzubereiten."

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* Neugebauer privat: In Litschau im nördlichen Waldviertel, in einem aufgelassenen Zollhaus, hat der gebürtige Brigittenauer eine gemietete Wohnung, nebst Wiener Hauptwohnsitz. Verheiratet ist er mit Gattin Eva seit 37 Jahren und Vater zweier Söhne (Michael, 32, Jurist, und Martin, 36, Computerunternehmer). Motorrad und Operette sind Neugebauers private Hobbys.