Der schwarze Bulle

27.11.2007 | "Oberösterreichische Nachrichten"

Porträt der "Oberösterreichischen Nachrichten"

Am Mittwoch die Beamten-Gehaltsverhandlungen, tags darauf die Finanzierungsfrage des Projektes neue Mittelschule im Unterrichtsausschuss des Nationalrates. Einmal als Vorsitzender der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, zum anderen Mal als Bildungssprecher der Volkspartei, auf Fritz Neugebauer wartet wieder eine arbeits- und vor allem konfliktreiche Woche.

Ganz nach seinem Geschmack, wie dem 63-Jährigen in und außerhalb der eigenen Reihen von Wegbegleitern bescheinigt wird. Was Neugebauer, der auf vier Jahrzehnte als Personalvertreter zurückblickt, Ansehen bei seinen Beamten eingebracht hat. Schließlich hat der karenzierte Hauptschullehrer längst verinnerlicht, dass die Rolle des Lobbyisten der Staatsdiener analog zu seinem Erfolg Popularitätsdefizite bei jenen auslöst, die dafür aufkommen müssen, also bei einer großen Mehrheit der Steuerzahler. Sein Ruf nach vierprozentiger Gehaltserhöhung hat entsprechend Wirkung gezeigt.

Gerade dass Neugebauer alles andere als ein Schönwetter-Politiker ist, hat ihm auch eine späte Karriere in der VP eingetragen. Besonders Wolfgang Schüssel hat das, was für die einen Prinzipientreue, für andere Sturheit ist, und der Altkanzler selbst gerne "Festigkeit" nennt, imponiert. Der Fama nach soll Neugebauer zum Jahresbeginn 2000 jener kleinen Runde angehört haben, die mit Schüssel das schwarz-blaue Experiment bis hin zum Personalpaket vollenden durfte. Er selbst ist als Gewerkschaftschef, später Abgeordneter und ÖAAB-Obmann, nie zur absoluten Spitze aufgerückt, machttechnisch aber sehr wohl.

Ob beim Bremsen der Pensionsharmonisierung oder beim Verteidigen von Beamtenprivilegien - Neugebauer, der sich früher gerne als wuchtiger Motorradfahrer präsentierte, hat viele Meriten, die ihm auch in der VP, vor allem im Wirtschaftsflügel nicht nur Applaus eingetragen haben. Dass er gerade deshalb im beinharten Kräftemessen einer großen Koalition wertvoll ist, hat der Wiener erst jüngst bewiesen: Schließlich war es Neugebauer, der Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SP) in den Schulreform-Verhandlungen gekonnt zermürbt hat. Am Ende durfte sich Wissenschaftsminister Johannes Hahn neben Schmied für einen - VP-freundlichen - Kompromiss feiern lassen. Und weil das Prinzip guter Bulle/böser Bulle eben nicht nur im Hollywood-Krimi funktioniert, ist damit zu rechnen, dass auf Neugebauer noch die eine oder andere Hauptrolle wartet.