Black Bull am Verhandlungstisch

24.10.2007 | "Salzburger Nachrichten"

Porträt der "Salzburger Nachrichten"

Von Alexander Purger

Wer drehte der SPÖ gestern die Gesamtschule ab? Wer verhandelt mit der Regierung heute über die Beamtengehälter? Wer hat in der ÖVP eine Debatte über die Verlängerung der Hacklerregelung angezettelt? Fritz Neugebauer, Fritz Neugebauer, Fritz Neugebauer. Die gesamte Politik scheint sich derzeit um den 62-jährigen Abgeordneten, ÖVP-Bildungssprecher, ÖAAB-Chef und Vorsitzenden der Beamtengewerkschaft zu drehen.

Was Unterrichtsministerin Claudia Schmied in den Verhandlungen über die Gesamtschule schmerzhaft erfahren musste, ist eine Lektion, die schon Generationen von Beamtenstaatssekretären zu lernen hatten: Dieser Mann ist ein gnadenlos harter Verhandler. Neugebauer, gelernter Hauptschullehrer, sitzt seit 1989 in der Chefetage der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst - erst als Vizechef, seit 1997 als alleiniger Boss. Verhandeln ist daher seit 20 Jahren sein Hauptgeschäft, und Neulinge wie Claudia Schmied sind keine Gegner für ihn.

Doch obwohl Neugebauer sein Image als Bulle sorgfältig pflegt, ist er nicht unbeweglich: 1997 stimmte er der erstmaligen Einführung eines Durchrechnungszeitraums bei der Berechnung der Beamtenpensionen zu - damals ein echter Tabubruch. Und 2003/04, bei den Verhandlungen über die Pensionsharmonisierung, nahm er gar das Ende des eigenständigen Beamtenpensionsrechts hin. Ein neuerlicher, diesmal endgültiger Tabubruch, allerdings - und das war der Clou - erst in 30 Jahren. Denn während die roten Gewerkschafter nur gegen die Harmonisierung demonstrierten (und Neugebauer mit ihnen), handelte er mit Kanzler Schüssel in aller Stille sagenhafte Übergangsfristen für die Beamten aus.

Die Kollegenschaft dankte es ihm, der Rest des ÖGB war wütend. Beim Bundeskongress im heurigen Jänner verweigerten ihm die mehrheitlich roten Delegierten die notwendigen Stimmen für den Einzug in den Bundesvorstand.

Dies wohl auch deshalb, weil der Christgewerkschafter nach dem Bawag-Skandal massive Kritik an den Zuständen im ÖGB geübt und für seine Beamtengewerkschaft einen Sonderweg entworfen hatte: Die Beamten - unter den Teilgewerkschaften die einzige ÖVP-dominierte, und eine der reichsten noch dazu - wollten nicht mehr für die Misswirtschaft im ÖGB bezahlen, polterte Neugebauer und bastelt seither an einer größeren Eigenständigkeit seiner Beamtengewerkschaft.

Dass er deshalb nicht mehr im ÖGB-Vorstand sitzt, kann der 62-jährige Wiener leicht verschmerzen. (…) der rasante Aufstieg des begeisterten Motorradfahrers ging weiter. Heute ist er einer der wichtigsten ÖVP-Politiker, was auch daran ablesbar ist, dass er bei den Koalitionsverhandlungen im Verhandlungsteam der ÖVP saß. (…)